Wein als Kapitalanlage - Teil 1

Flüssige Werte

Ein größerer Gegensatz lässt sich kaum denken: Hier große, alte Weine, die in dunklen Kellern schlummern. Dort die grelle, schnelle, laute Welt des Kapitals – Börsenfieber, Zahlenkolonnen, Wertsteigerungskurven. Wie geht das zusammen? Überraschend gut!

Die kühlen Rechner, die Weinenthusiasten, die Schönen und Reichen des internationalen Geldadels – sie alle tanzen auf dem Parkett des Welt-Spitzenweinmarktes. Wein als Anlageklasse hat längst den Exotenwinkel verlassen und wird von versierten Kapitalmarktstrategen empfohlen. „Portfolio-Diversifikation“ lautet das magische Wort – Fachbegriff für die schlichte Weisheit, besser nicht alles auf ein Pferd zu setzen.

Eine aus Anlegersicht höchst erfreuliche Eigenheit der Nobelweine ist, dass sich ihr Wert weitgehend konjunkturunabhängig zeigt – ihre Wertentwicklungskurve (nach dem „Wein-Index“ Liv-ex 100) weist viel geringere Ausschläge auf als der Aktienmarkt. Wenn der DAX in den Keller geht – wohl dem, der ebendort ein paar gute Bordeauxweine liegen hat.

Noch niemals sind die edlen Klassiker auch nur annähernd so abgestürzt wie der DAX anno 2008. Zwar gehen Crashs und Krisen am Spitzenweinmarkt nicht völlig spurlos vorüber, doch in der typischen, höchst solventen Käuferschaft für Luxusweine ist das Verarmungsrisiko eher gering: So tief kann man kaum sinken, dass es für ein Fläschchen Mouton-Rothschild nicht mehr reichen würde. Daher gilt: Je hochpreisiger der Wein, desto stabiler die Wertentwicklung.

Und die Zahlen sind wirklich beeindruckend, wenn wieder einmal von einer Weinauktion schwindelerregende fünfstellige Rekordpreise für einen Bordeaux Premier Cru mit klingendem Namen oder eine hochbetagte Moselriesling-TBA gemeldet werden.

Ein klassisches Beispiel aus der globalen Branchenhistorie ist etwa jene Flasche Penfolds Grange Hermitage 1951, die 2004 für umgerechnet 30 000 Euro versteigert wurde. Hintergrund: Es existierten nur noch 20 Flaschen dieses Debüt-Jahrgangs. Oder der Grange 1976, bewertet mit 100 Punkten des internationalen Weinpapstes Robert Parker: Über drei Jahrzehnte hinweg legte sein Wert stetig um durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr zu – eine Traum-Rendite.

Lebender Luxus

Doch Augen auf: Im Wein-Investment gelten ganz spezielle, nüchtern zu betrachtende Gesetzmäßigkeiten, zum Wohl oder Wehe des Anlegers.

Wein wird konsumiert und nicht, wie andere Luxusprodukte (Gemälde, Uhren, Oldtimer...), nur ausgestellt. Jeder, der einen Nobelwein entkorkt, trägt damit zur (wertsteigernden) Verknappung des Produktes auf dem Welt-Weinmarkt bei. Die Zeit spielt also auf alle Fälle für den Anleger. Ganz abgesehen davon, dass edle Weine mit zunehmendem Alter immer besser werden und daher im Genusswert steigen.


 
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